- Gute Kandidaten für Automatisierung sind Aufgaben, die häufig anfallen, festen Regeln folgen, von Hand fehleranfällig sind und deren Aufwand sich messen lässt.
- Schon 30 Minuten Handarbeit am Tag kosten übers Jahr mehrere tausend Euro, das Rechenbeispiel steht im Beitrag.
- Fang mit einem kleinen, nervigen Prozess an statt mit dem großen Wurf, und lass seltene Sonderfälle und instabile Abläufe bewusst weg.
Betrifft dich, wenn in deinem Betrieb wiederkehrende Aufgaben von Hand erledigt werden, die eigentlich immer gleich ablaufen.
01Die vier Kriterien für gute Kandidaten
Prozessautomatisierung heißt: Ein Ablauf, der bisher von Hand lief, läuft künftig von selbst. Nicht jeder Prozess eignet sich dafür, und die Auswahl entscheidet über Erfolg oder Frust. Vier Kriterien haben sich in meinen Projekten bewährt:
- Häufig: Die Aufgabe kommt täglich oder wöchentlich vor, nicht zweimal im Jahr. Häufigkeit ist der Hebel, über den kleine Minuten zu großen Summen werden.
- Regelbasiert: Die Schritte lassen sich so aufschreiben, dass eine fremde Person sie ausführen könnte, ohne ständig nachzufragen.
- Fehleranfällig von Hand: Zahlendreher, vergessene Mails, doppelt angelegte Kunden. Wo Menschen Daten abtippen, passieren Fehler, das ist keine Frage der Sorgfalt.
- Messbar: Du kannst sagen, wie viel Zeit die Aufgabe heute kostet und woran du nach der Umstellung erkennst, dass es besser geworden ist.
Treffen alle vier zu, ist der Fall fast immer klar. Trifft nur eines zu, gibt es sehr wahrscheinlich bessere Kandidaten in deinem Alltag.
02Was Handarbeit wirklich kostet
Ein Rechenbeispiel, bewusst konservativ angesetzt:
- Das Übertragen von Bestelldaten von Hand kostet 30 Minuten pro Tag.
- Bei 220 Arbeitstagen im Jahr sind das 110 Stunden.
- Bei 40 Euro internem Stundensatz ergibt das 4.400 Euro pro Jahr, jedes Jahr wieder.
- Nicht eingerechnet: Fehlerkorrekturen, Rückfragen und die Aufgaben, die währenddessen liegen bleiben.
Rechne das mit deinen eigenen Zahlen durch: Minuten pro Tag mal Stundensatz mal Arbeitstage. Die Jahreskosten der Handarbeit sind das ehrlichste Argument für oder gegen ein Automatisierungsprojekt, in beide Richtungen.
03Typische erste Projekte
Die ersten Automatisierungen sehen bei kleinen Unternehmen oft ähnlich aus, und das ist kein Zufall: Diese Aufgaben erfüllen alle vier Kriterien, sind überschaubar im Umfang und zeigen schnell sichtbare Wirkung.
- Bestelldaten aus dem Shop in Warenwirtschaft oder Buchhaltung übertragen.
- Eingehende Rechnungen automatisch auslesen, benennen und im richtigen Ordner ablegen.
- Wiederkehrende Berichte erzeugen, etwa Wochenumsatz, offene Posten oder Lagerreichweite.
- Benachrichtigungen, wenn etwas deine Aufmerksamkeit braucht: niedriger Bestand, ausbleibende Zahlung, ungewöhnliche Bestellung.
04Warum klein anfangen schlägt groß planen
Der Reflex vieler Unternehmen ist, gleich alle Prozesse auf einmal anzugehen. Meine Erfahrung ist eine andere: Ein kleiner Prozess, der nach zwei Wochen läuft, überzeugt mehr als ein Konzept für zwölf Prozesse, das nach einem halben Jahr noch nicht live ist. Der kleine Erfolg zeigt dir außerdem, wie dein Team mit Automatisierung umgeht, wo Vertrauen fehlt und welche Sonderfälle es wirklich gibt. Daraus lernst du mehr als aus jeder Planungsrunde, und das nächste Projekt wird dadurch besser.
05Wann Automatisierung nicht lohnt
- Seltene Sonderfälle: Was zweimal im Jahr vorkommt, erledigst du von Hand schneller, als du die Automatisierung pflegst.
- Instabile Prozesse: Ändert sich der Ablauf alle paar Wochen, baust du die Automatisierung häufiger um, als sie dir Zeit spart.
- Echte Ermessensfälle: Braucht jeder Fall eine menschliche Entscheidung, kann Software das Vorbereiten übernehmen, aber nicht das Entscheiden.
Automatisierung repariert keinen kaputten Prozess. Erst den Ablauf aufräumen, dann automatisieren, sonst produziert derselbe Fehler nur schneller Ergebnisse.
- Führe eine Woche lang eine Liste: welche Aufgabe, wie oft, wie viele Minuten.
- Rechne für die drei größten Posten die Jahreskosten aus: Minuten pro Tag mal Stundensatz mal Arbeitstage.
- Prüfe jeden Kandidaten gegen die vier Kriterien: häufig, regelbasiert, fehleranfällig, messbar.
- Starte mit genau einem Prozess und leg vorher fest, woran du den Erfolg nach vier Wochen misst.
- Räum den Ablauf vor der Automatisierung auf, statt den Ist-Zustand samt Macken zu kopieren.
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